stoned



"Was soll jetzt das schon wieder? Hat denn der noch nicht genug von sich erzählt?"
So ungefähr mag sich manch einer fragen, denn es mag durchaus seltsam anmuten, dass jemand derart viel von sich selbst preisgibt.
Ich kann nichts verlieren damit, bin ich geneigt zu antworten.
Eher schon gewinnen. (Den Pulitzer-Preis aber gewiss nicht).

"Stoned" sein hat mich viele Jahre meines Lebens begleitet; "stoned" sein war mir wichtig.
Aber im Kern ging es ja darum garnicht.
Mein Bestreben war es, etwas BESONDERES zu sein.
Mich zu unterscheiden vom Mainstream.
Mein kurzes Leben in einem "normalen" sozialen Umfeld hatte mir gezeigt, dass vieles nur Fassade war, und hinter den Fassaden viel Leid.
Meine persönlichen Erfahrungen hatten einfach das Wertesystem bröckeln lassen, mit dem ich groß geworden war.
Und es war nichts unmittelbar vorhanden, es zu ersetzen.

So stürzte ich mich auf alles, was irgendwie den Anschein von Andersartigkeit hatte.


Ich verschlang Jack Kerouac :
"Denn die einzig wirklichen Menschen sind für mich die Verrückten, die verrückt danach sind zu leben, verrückt danach, erlöst zu werden, und nach allem gleichzeitig gieren - jene, die niemals gähnen oder etwas Alltägliches sagen, sondern brennen, brennen, brennen wie phantastisch gelbe Wunderkerzen, die gegen den Sternenhimmel explodieren wie Feuerräder, in deren Mitte man einen blauen Lichtkern zerspringen sieht, so dass jeder "Aahh !" ruft"
Fotografie des Autors Jack Kerouac ('On The Road','The Town and The City' etc.)

Er war einer der Schlüssel für mich in eine Welt, in der ich leben wollte, in ein Lebensgefühl, was ich empfinden wollte.
Die Verlorenheit, die er ausdrückte, und das Getriebensein, was er beschrieb, wohnt auch mir inne.
Man lese "On the Road" und "The Town and the City". Wer das nachempfinden kann, versteht mich.

Aber ich war nur Schüler an einer deutschen allgemeinbildenden Schule; ich war kein Hobo, der auf Güterzüge aufsprang und tausende von Meilen reiste.
Der Moloch New York war für mich so fern wie der Mond.
Und so nah wie meine Träume

Psilocybinpilze, Halluzinogen
Nach einer ordentlichen Blubber lässt sich prima träumen,
und mit einer Hand voll Psilos dazu werden die Träume lebendig.

Ich erfuhr, wie psychogene Substanzen allerlei wunderbare Bewusstseinszustände hervorrufen konnten.

pling
Neugierig, wie ich war tauchte ich ein in diese Welt.
Ich glaubte auch, aus dem Drogenkonsum und der Kreativität mancher Menschen einen Zusammenhang ableiten zu können.
Eines meiner Vorbilder aus der Malerei ist E.L.Kirchner gewesen, der im Kokswahn vermutlich von wilden Chinesen mit Hackebeilen gejagt worden war,wie es der Autor und Junkie W.S.Burroughs zu umschreiben pflegte.

Tanzreigen von Ernst-Ludwig Kirchner, Expressionist, kokainabhängig

Mit meinem Abtauchen in unsere kleinstädtische Subkultur wuchs der Abstand zwischen mir und meiner Familie, zwischen dem, was ich sein wollte und dem, was ich sein sollte immer mehr.
Kurz:Ich hatte mich in eine Situation begeben, wo ich fast nur noch aneckte, ständig Zoff hatte mit Eltern und Lehrern.
So das übliche halt.
Und Dickkopf und unnachgiebig wie ich war, gab ich kein Fitzelchen meiner "Freiheit" auf.
Ich wollte mich nicht unterordnen.
Ich fühlte mich nicht wohl...aber wofür wird in der Pharma geforscht?
Natürlich um so hervorragende Produkte wie Valium, Lexotanil und Rohypnol auf den Markt bringen, die immer helfen, wenn weinen nicht mehr hilft.
Und wird man davon zu müde, gibt es Ephedrin und Captagon.
Und sollte man davon zu aufgedreht sein: Codein oder Morphinsulfat..
IRGENDWAS GEHT IMMER!
Das war eine meiner Devisen für Jahre, und sie ist es im Grunde immer noch, denn mit dem gleichen Maß an Hoffnung, mit dem ich mich einst in den Konsum von "Little Helpers" stürzte, schreite ich heute in ganz anderen Dingen voran.

Als Getriebener, der ich war (und bin), stellte ich schnell fest, wo meine Drogenpräferenzen lagen.

Schlafmohn mit reifen Kapseln
Ich wurde ein Abhängiger der Fachrichtung Opiate.
Opiate geben ein unbeschreiblich gutes Gefühl, ich möchte es von der Qualität her mit Sex vergleichen.
Sie machen ruhig, aber zunächst nicht unbedingt müde.
Die Leistung des Gehirns ist nicht eingeschränkt, solange die Dosis nicht zu hoch ist.
Heroin machte mich euphorisch und motiviert.
Anfangs gab ich mir einen Kick und dann wurde die Wohnung aufgeräumt.
Meine innnere Befindlichkeit aber liess mich immer höhere Dosen nehmen, und meine Motivation kanalisierte sich dahingehend, Material zu besorgen.
Ich fing schon an zu sabbern, wenn ich mir den Arm abband.
Es war eine Entwicklung, die ich nicht bremsen wollte.
Hätte ich können?
Ich weiss es nicht und es ist auch nicht mehr wichtig.

Alles wurde wie es werden sollte.
Konsum. Besitz. Handel.
Handel mit nicht geringen Mengen. Verhaftet. Verurteilt.
Bewährung. Bewährung verpeilt. Flucht.
Knast. Rückkehr.
Rückfällig. Entgiftung.
Rückfällig. Entgiftung.
Rückfällig. Entgiftung.
Rückfällig. Entgiftung.


Hört sich ziemlich eng an, dieser Kreis, und das war er auch.
Inzwischen bin ich einige Zeit aus diesem Kreis heraus; irgendwie hab ich wohl ein Loch in der Wand gefunden.
So ganz genau kann ich nicht sagen, wie man die Sucht überwindet.
Ich denke, da muss jeder seinen eigenen Weg finden.
Wichtig ist vielleicht, abundzu in den Spiegel zu sehen und sich zu vergegenwärtigen:
"Das bist du und das tust du und das wirst du tun"

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